„Was kostet das?" ist meistens die erste Frage, die ich in einem Erstgespräch höre. Und sie ist absolut berechtigt. Projektsteuerung ist eine Investition — und wie bei jeder Investition sollten Kosten und Nutzen transparent sein, bevor man eine Entscheidung trifft.
In diesem Artikel erkläre ich offen, wie das Honorar für Projektsteuerungsleistungen in Deutschland kalkuliert wird, welche Faktoren den Preis beeinflussen und wie Sie Angebote verschiedener Projektsteuerer sinnvoll vergleichen können.
Grundlage der Honorarberechnung: AHO Heft 9
AHO Heft 9 (4. Auflage 2020) definiert nicht nur das Leistungsbild der Projektsteuerung, sondern enthält auch eine Honorartafel. Diese orientiert sich an den anrechenbaren Kosten des Projekts und gibt Honorarspannen für verschiedene Projektstufen und Honorarzonen vor.
Das Grundprinzip: Je höher die Baukosten, desto höher das absolute Honorar — aber desto geringer ist der prozentuale Anteil der Projektsteuerung an den Gesamtkosten. Große Projekte profitieren also von einer Art Mengenstaffelung.
Die drei Vergütungsmodelle im Überblick
AHO Heft 9 lässt verschiedene Vergütungsformen zu, die je nach Projekttyp und Risikoverteilung sinnvoll sind:
1. Prozentuale Vergütung (% der anrechenbaren Kosten)
Das klassische Modell. Das Honorar wird als Prozentsatz der anrechenbaren Baukosten berechnet. Vorteil: automatische Anpassung bei Kostenänderungen. Nachteil: Der Projektsteuerer hat strukturell kein Interesse daran, die Baukosten zu senken — denn das würde sein Honorar reduzieren.
In der Praxis liegt der Honorarsatz bei 1,0 % bis 3,0 % der anrechenbaren Kosten — abhängig von Projektgröße, Honorarzone und vereinbartem Leistungsumfang.
2. Pauschalhonorar
Ein fest vereinbarter Betrag für klar definierte Leistungen. Das ist für Bauherren das transparenteste Modell — man weiß von Anfang an, was man zahlt. Gute Projektsteuerer können ein Pauschalhonorar fair kalkulieren, wenn der Leistungsumfang klar definiert ist. Leistungsänderungen müssen dann zusätzlich vereinbart werden.
3. Stundenhonorar
Abrechnung nach tatsächlich aufgewendeten Stunden. Sinnvoll bei schwer abgrenzbaren Leistungen, bei projektbegleitender Beratung oder wenn nur Teilleistungen benötigt werden. Typische Stundensätze für erfahrene Projektsteuerer liegen je nach Region und Spezialisierung bei 120 € bis 220 € netto pro Stunde.
Meine Empfehlung: Für den Regelfall empfehle ich ein Pauschalhonorar auf Basis einer transparenten Stundenplanung. So haben Sie als Bauherr Kostensicherheit, und ich kann meinen Einsatz fair kalkulieren. Änderungen des Leistungsumfangs werden separat bewertet.
Honorarzonen: Was beeinflusst die Höhe?
AHO Heft 9 staffelt das Honorar nach Honorarzonen, die die Komplexität des Projekts widerspiegeln. Je höher die Zone, desto höher das Honorar für dieselben Leistungsphasen.
| Honorarzone | Charakteristik | Typische Projekttypen |
|---|---|---|
| Zone I | Geringe Anforderungen, überschaubare Komplexität | Einfache Hochbauprojekte, standardisierte Bauten |
| Zone II | Durchschnittliche Anforderungen | Büro- und Gewerbebau, Wohnungsbau mit mittlerer Komplexität |
| Zone III | Hohe Anforderungen, viele Schnittstellen | Kliniken, Industrieanlagen, komplexer Hochbau |
| Zone IV | Sehr hohe Anforderungen, außergewöhnliche Komplexität | Infrastruktur, Bahnprojekte, Sonderbauwerke |
Die Einordnung in eine Zone erfolgt auf Basis mehrerer Kriterien: Anzahl der Planungsbeteiligten, Komplexität der Koordination, Anzahl der Schnittstellen, Anforderungen an Dokumentation und Controlling, besondere technische Anforderungen.
Konkrete Honorarbeispiele
Um eine Orientierung zu geben, zeige ich exemplarische Größenordnungen. Diese Zahlen sind Richtwerte — das tatsächliche Honorar hängt von Leistungsumfang, Zone, Projektstufen und individueller Vereinbarung ab:
< 2 Mio. € Baukosten
Zone II, volle LPH 0–9
2–10 Mio. € Baukosten
Zone II–III
10–50 Mio. € Baukosten
Zone III–IV
> 50 Mio. € Baukosten
Zone IV (Infrastruktur)
Ein Beispiel: Bei einem Bauprojekt mit 5 Millionen Euro anrechenbaren Kosten in Honorarzone II, mit Projektsteuerung über alle Leistungsphasen, kann das PS-Honorar in einer Größenordnung von 80.000 bis 125.000 Euro netto liegen — je nach vereinbartem Leistungsumfang und Verhandlungsergebnis.
Was ist mit der HOAI? Der Unterschied im Überblick
Projektsteuerungsleistungen nach AHO Heft 9 sind nicht in der HOAI geregelt. Die HOAI erfasst die Leistungen von Architekten und Ingenieuren (Planung, Bauleitung, Objektüberwachung). Projektsteuerung ist eine davon unabhängige Leistung.
Das bedeutet: Das Honorar für Projektsteuerung ist — anders als HOAI-Honorare bis zur Novelle 2021 — frei verhandelbar. AHO Heft 9 gibt dabei einen Orientierungsrahmen, aber keine verbindliche Mindestvergütung. Das ist ein Vorteil für den Markt, erfordert aber auf Bauherrenseite die Fähigkeit, Angebote inhaltlich zu vergleichen.
Besondere Leistungen: Was kostet Extra?
AHO Heft 9 unterscheidet zwischen Grundleistungen (im Standardhonorar enthalten) und Besonderen Leistungen, die zusätzlich zu vergüten sind. Beispiele für Besondere Leistungen und ihre typische Honorierungsform:
| Besondere Leistung | Typische Vergütung |
|---|---|
| BIM-Management / BIM-Koordination | Pauschal oder % der Baukosten (0,1–0,3 %) |
| Lean Construction / Last Planner System | Stundenhonorar oder Pauschal |
| Earned Value Management | Monatlicher Pauschalbetrag |
| Claim-Dokumentation / Klagevorbereitung | Stundenhonorar |
| Due-Diligence-Begleitung | Stundenhonorar oder Pauschal |
| Projektreviews und Audits | Tagessatz (typisch: 1.200–1.800 € netto) |
Was bestimmt den Preis wirklich? Die fünf wichtigsten Faktoren
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1Projektgröße (anrechenbare Kosten)Der wichtigste Faktor. Direkte Basis für die AHO-Honorartafel. Größere Projekte haben absolut höhere, prozentual aber niedrigere Honorare.
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2Projektkomplexität (Honorarzone)Je mehr Schnittstellen, Beteiligte und technische Anforderungen, desto höher die Honorarzone und damit das Honorar.
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3Leistungsumfang (Projektstufen und Handlungsbereiche)Wer nicht alle Leistungsphasen oder nicht alle fünf Handlungsbereiche beauftragt, zahlt weniger. Partielle PS-Leistungen (z. B. nur Bauphase) sind häufig und kosteneffizienter.
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4Qualifikation und Erfahrung des ProjektsteuerungsbürosEin zertifizierter Projektsteuerer mit 15 Jahren Infrastrukturerfahrung kostet mehr als ein Berufseinsteiger. Diese Differenz ist meist gut investiertes Geld.
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5Region und MarktsituationIn Ballungsräumen mit hoher Nachfrage und hohem Kostenniveau (München, Frankfurt, Hamburg) sind Honorare höher als im ländlichen Raum.
Warum günstiger Projektsteuerer teurer wird
Es klingt wie eine Binsenweisheit, ist aber in der Praxis oft unterschätzt: Ein Projektsteuerer, der 20 % weniger Honorar verlangt, aber 30 % weniger Nachträge abwehrt, kostet Sie am Ende deutlich mehr.
Professionelle Projektsteuerung hat einen messbaren Wert. In meiner Erfahrung liegt das Verhältnis von Projektsteuerungshonorar zu vermiedenem Schaden oder erzielter Einsparung regelmäßig bei 1:5 bis 1:15. Das ist keine Marketing-Behauptung, sondern das Ergebnis strukturierter Controlling-Methoden, die ich in jedem Projekt einsetze.
Verhältnis professioneller
Projektsteuerung
Nachtragskostenquote
ohne PS-Kontrolle
verhandelbar —
AHO gibt Orientierung
genannten Honorare
zusätzlich
Wie Sie Angebote sinnvoll vergleichen
Wenn Sie mehrere Angebote von Projektsteuererern einholen, vergleichen Sie nicht nur den Preis — sondern prüfen Sie:
- Was ist konkret enthalten? Welche Leistungsphasen, welche Handlungsbereiche, wie viele Stunden pro Leistungsphase sind kalkuliert?
- Welche Besonderen Leistungen sind explizit ausgeschlossen? Günstige Angebote enthalten oft weniger — und berechnen Mehrleistungen dann teuer separat.
- Wie ist die Änderungsregelung? Was passiert bei Projektverlängerungen, Leistungsänderungen, Kostensteigerungen?
- Wer führt die Leistung tatsächlich aus? Großes Büro, aber der Senior-Projektsteuerer ist nur Akquisition — die Arbeit macht ein Junior?
- Welche Referenzen und Zertifizierungen? DVP, GPM/IPMA, Ingenieurkammer — oder nur Marketing?
Was ich konkret für mein Honorar biete
Als unabhängiger, zertifizierter Projektsteuerer (DVP, GPM) mit Schwerpunkt Bahninfrastruktur, Hochbau und IT-Projekte biete ich:
- Vollständige Projektsteuerung nach AHO Heft 9 mit strukturiertem Controlling
- Transparentes Berichtswesen — monatliche PS-Berichte, die wirklich entscheidungsrelevant sind
- Proaktives Nachtragsmanagement ab Baubeginn — Claim-Log, Prüfung, Verhandlung
- Direkte Kommunikation — keine Agentur, kein Account-Manager dazwischen
- BIM- und Lean-Construction-Kompetenz für Projekte, die moderne Methoden benötigen
- Modulare Beauftragung möglich — nur Bauphase, nur Vergabephase oder Vollbegleitung
Fazit: Honorar als Investition, nicht als Kostenfaktor
Projektsteuerungshonorar ist keine Ausgabe, die man minimieren sollte — es ist eine Investition mit messbarem Return. Wer 1–2 % der Baukosten in professionelle Projektsteuerung investiert, hat typischerweise 10–20 % der Baukosten unter Kontrolle, die andernfalls durch Nachträge, Verzögerungen und Qualitätsmängel verloren gehen.
Die Frage ist nicht: „Kann ich mir einen Projektsteuerer leisten?" Die Frage ist: „Kann ich mir leisten, keinen zu haben?"
Honoraranfrage für Ihr konkretes Projekt
Teilen Sie mir Ihre Projekteckdaten mit — und ich erstelle Ihnen ein transparentes, nachvollziehbares Honorarangebot. Kein Standardformular, sondern eine individuelle Leistungsbeschreibung.
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